Alle Namen und persönlichen Daten sind verändert.
Susanne: 45-jährige Mutter von drei Kindern und Witwe
Thema: Trauer um verstorbenen Ehemann; neue Lebenskraft finden
Susanne ist eine 45-jährige Frau, Mutter von drei Kindern. Die 23-jährige Tochter lebt allein; der 21-jährige Sohn lebt bei ihrem Exmann, mit dem sie eine gute Beziehung pflegt. Ihr 10-jähriger Sohn lebt bei ihr und besucht die Schule. Bis vor drei Monaten, seit etwa sechs Jahren, hat Susanne in glücklicher Ehe mit ihrem zweiten Mann zusammengelebt, bis er plötzlich und unerwartet von seiner Arbeit nach Hause kommt, zusammenbricht und stirbt. Das hat Susanne schwer getroffen.
Zudem sind im gleichen Jahr ausser ihrem Mann auch ihr Vater gestorben und zwei ihrer Schwager, mit denen sie sich sehr gut verstanden hatte. Und noch nicht lange her hat sie vernommen, dass ihre erste grosse Liebe in einem Sportflugzeug abgestürzt ist.
„Was bedeuten diese vielen Todesfälle?“ fragt sie sich. Und: „Warum trifft das Schicksal mich so hart?“ Susanne hat von ihrer Ärztin Beruhigungs- und Schlafmittel bekommen und den Rat, sich bei einem Psychologen Hilfe zu holen.
Müde und sehr traurig meldet sich Susanne zu einem ersten Gespräch. Während den ersten paar Stunden, die einmal pro Woche stattfinden, hat Susanne enorm viel zu erzählen, wobei ihr oft die Tränen kommen. Die Gespräche tun ihr gut und beruhigen sie.
Unsere Gespräche drehen sich um die Themen:
- Trauer über den Verlust des Ehemanns, Verarbeiten dieses Schicksalsschlags.
- Gut für sich selbst sorgen. Im Kontakt mit Freunden und Bekannten Aktivitäten vermeiden, die sie zu sehr an ihren verstorbenen Mann erinnern. Notfalls muss sie ihr hoch stehendes Prinzip „Was man einmal versprochen hat, das hält man“ loslassen, um nicht noch mehr zu leiden. Mutig neue Entscheidungen fällen und dadurch selbstbewusster und stärker werden.
- Verarbeiten ihrer schwierigen Kindheit (wenigstens teilweise).
- Wiederfinden der eigenen Kraft. Wieder auf „eigenen Beinen stehen“.
- Ruhiger werden. Weniger gestresst sein. Den Haushalt weniger perfekt führen, dafür das Leben mehr geniessen.
Nach einem halben Jahr intensiver Arbeit, während derer Susanne nicht nur getrauert und verarbeitet hat, sondern auch mehr Selbstbewusstsein und Lebensfreude gewonnen hat als früher, wünscht sie, die Begleitung bei mir abzuschliessen.
Der plötzliche Tod ihres Mannes war für sie der Anlass, sich mit wichtigen Themen ihres Lebens auseinanderzusetzen und allgemein selbstsicherer zu werden.
Heute ist sie immer wieder selbst Beraterin von Verwandten und Freunden, die in einer Krise stecken. Das kann sie besonders gut, nachdem sie am eigenen Leib erfahren hat, was es heisst, „im Loch“ zu stecken und daraus wieder aufzustehen.
Acht Monate nach Abschluss ihrer Sitzungen bei mir, schreibt mir Susanne, dass es ihr sehr gut gehe und dass sie sich wieder verliebt habe. Sie schreibt, sie hätte immer gedacht: So einen guten Mann wie ihr verstorbener Ehemann finde sie bestimmt nicht mehr. Heute weiss sie, dass das stimmt. Der neue Mann sei ganz anders als ihr Verstorbener. Und das sei sogar sehr gut so.